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Monat: Juli 2019

Der Lorenzmarkt

Der Lorenzmarkt

            Der Lorenzmarkt

Ein so großer Markt und ein so kleines Dorf? Wie ist das möglich?

Man muss, um dies zu verstehen, schon etwa 1000 Jahre zurückgehen. Entlang des Zeilendorfes Lorenzkirch führt eine einzige größere Straße, die „Alte Salzstraße“. Dieser Name bringt uns dem Rätsel schon etwas näher. Im Mittelalter war Salz sehr kostbar und so führte eine besondere Handelsstraße, auch Hohe Straße oder Via Regia genannt, von Frankfurt am Main bis nach Krakau. Auf dem Weg nach Osten musste die Elbe überquert werden. Das war hier durch eine Elbfurt bei Strehla und Lorenzkirch möglich. War der Wasserstand so hoch, dass eine Durchquerung der Elbe nicht möglich schien, lagerten die Händler an dem Elbufer. Es entwickelte sich ein Handel mit den hier Ansässigen. Lorenzmarkt dazu zu sagen, wäre übertrieben. 

Das sollte sich ändern. Im 10. Jahrhundert siedelten sich  niederländische Christen (Flamen) an und bauten eine Art Heiligtum. Es wurde dem heiligen Laurentius geweiht, der wegen seines Glaubens im Jahre 258 verbrannt wurde. Dadurch wurde Lorenzkirch im Mittelalter zu dem berühmtesten Wallfahrtsort der Gegend. Am Laurentiustage  pilgerten die Leute aus der Umgebung somit alljährlich hierher. Es gab allerlei Lebensmittel, Kramwaren und vielerlei Belustigungen. Bis 1860 war der Lorenzmarkt ein reiner, zweitägiger  Krammarkt.

Noch größere Bedeutung erlangte er, nachdem in dem selben Jahr der Kurfürst von Sachsen die Erlaubnis erteilte, auch einen Viehmarkt abhalten zu dürfen. Es verwundert also nicht, dass in seiner Blütezeit von etwa 1830 bis 1860 Zehntausende diesen Markt besuchten.

Auszug aus dem Meißner Tageblatt; 5. Jahrgang, Nr. 11

Für diejenigen, die diese alte Schrift nicht lesen können;

„Überfahrt! Dauernd verkehren die Kähne. Wir benutzen die große Fähre, die uns auf die allerdings riesige, über einen Kilometer lange und mehr als 200 Meter breite Festwiese absetzt, und – sind auch schon mitten im Zigeunerlager der ungarischen Pferdehändler. Echte Puszta-Kinder schauen glutäugig aus den Gardinenfenstern der beinahe protzigen Wohnwagen, kochen am offenen Feuer, spielen auf dem Rasen in paradiesischer Freiheit… . Zwischen Stangengerüsten hin führt der Weg zu den Ausstellungen landwirtschaftlicher Maschinen und nun beginnen die Budenreihen. Das übliche Jahrmarkts… größeren Stils. Und doch ein anderes. Die praktischen, den Bedürfnissen der Landleute entgegenkommenden Waren, geben den Ausschlag.  Aus allen Gegenden des Sachsenlandes und aus dem benachbarten Preußen sind die Verkäufer da… . Ohrenbetäubender Lärm schon am frühen Morgen. Der Betrieb des Vergnügungsteiles ist in vollem Schwunge. Schank-und Speisezelte sind überfüllt. Der Bauer lässt seinen Magen nicht knurren. Wir auch nicht. Erst 10.00 Uhr vormittags. Aber in dem von altersher die Hauptattraktion des Platzes bildenden großen hochgedachten Wein- und Tanzzelt ist kaum ein Stuhl zu kriegen… .“

Zigeunerwagen auf dem Lorenzmarkt

Nun ein Sprung in das vergangene Jahrhundert

In der DDR war der Lorenzmarkt äußerst beliebt. Die Menschen strömten von überall her nach Lorenzkirch, ob mit dem Fahrrad, dem Auto oder dem Motorrad. Die Vorgärten waren mit Fahrrädern vollgestellt. Ein hübscher, kleiner Hinzuverdienst für die Dorfbewohner. Diese identifizierten sich mit dem Lorenzmarkt, denn sie hatten dessen gesamte Organisation übernommen. Ein Grund für dessen Beliebtheit: Hier gab es außerdem Waren, die man sonst vergeblich suchte. Weit und breit war  ein Markt dieser Art nicht zu finden. Bis zu 50 000 Menschen besuchten ihn.

Parkplatz des Lorenzmarktes 1972

Selbst ein Pferdemarkt wurde damals noch abgehalten.

Heute noch wird er gern besucht, doch die Anziehungskraft früherer Jahre besitzt der Lorenzmarkt nicht mehr. Dennoch ist er sehr empfehlenswert.

Am Freitag, um 17.00 Uhr, wird der Markt mit einem Marktgottesdienst eröffnet. Sehr beliebt ist die „Erste sächsische Kaffeestube“ im Garten des Pfarrhauses im Schatten alter Bäume. Sie wird sehr gern besucht. Das sind alte Traditionen, die bis heute erhalten geblieben sind.

Die Krönung  des ersten Tages bildet das wirklich schöne Feuerwerk am Freitagabend. 

Es gibt Bemühungen, den Lorenzmarkt wieder attraktiver werden zu lassen. Seit wenigen Jahren wird er durch eine Oldtimer-Parade auf der Alten Salzstraße bereichert. Anschließend werden die Oldtimer auf der Festwiese ausgestellt und es darf gefachsimpelt werden.

Also nichts wie hin! 

Der Lorenzmarkt und seine Attraktionen werden sicher vom 02.08. bis 05.08. 2019  wieder Jung und Alt anziehen.