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Kategorie: Geschichte

Geschichte um Lorenzkirch an der Elbe

Der Lorenzmarkt

Der Lorenzmarkt

            Der Lorenzmarkt

Ein so großer Markt und ein so kleines Dorf? Wie ist das möglich?

Man muss, um dies zu verstehen, schon etwa 1000 Jahre zurückgehen. Entlang des Zeilendorfes Lorenzkirch führt eine einzige größere Straße, die „Alte Salzstraße“. Dieser Name bringt uns dem Rätsel schon etwas näher. Im Mittelalter war Salz sehr kostbar und so führte eine besondere Handelsstraße, auch Hohe Straße oder Via Regia genannt, von Frankfurt am Main bis nach Krakau. Auf dem Weg nach Osten musste die Elbe überquert werden. Das war hier durch eine Elbfurt bei Strehla und Lorenzkirch möglich. War der Wasserstand so hoch, dass eine Durchquerung der Elbe nicht möglich schien, lagerten die Händler an dem Elbufer. Es entwickelte sich ein Handel mit den hier Ansässigen. Lorenzmarkt dazu zu sagen, wäre übertrieben. 

Das sollte sich ändern. Im 10. Jahrhundert siedelten sich  niederländische Christen (Flamen) an und bauten eine Art Heiligtum. Es wurde dem heiligen Laurentius geweiht, der wegen seines Glaubens im Jahre 258 verbrannt wurde. Dadurch wurde Lorenzkirch im Mittelalter zu dem berühmtesten Wallfahrtsort der Gegend. Am Laurentiustage  pilgerten die Leute aus der Umgebung somit alljährlich hierher. Es gab allerlei Lebensmittel, Kramwaren und vielerlei Belustigungen. Bis 1860 war der Lorenzmarkt ein reiner, zweitägiger  Krammarkt.

Noch größere Bedeutung erlangte er, nachdem in dem selben Jahr der Kurfürst von Sachsen die Erlaubnis erteilte, auch einen Viehmarkt abhalten zu dürfen. Es verwundert also nicht, dass in seiner Blütezeit von etwa 1830 bis 1860 Zehntausende diesen Markt besuchten.

Auszug aus dem Meißner Tageblatt; 5. Jahrgang, Nr. 11

Für diejenigen, die diese alte Schrift nicht lesen können;

„Überfahrt! Dauernd verkehren die Kähne. Wir benutzen die große Fähre, die uns auf die allerdings riesige, über einen Kilometer lange und mehr als 200 Meter breite Festwiese absetzt, und – sind auch schon mitten im Zigeunerlager der ungarischen Pferdehändler. Echte Puszta-Kinder schauen glutäugig aus den Gardinenfenstern der beinahe protzigen Wohnwagen, kochen am offenen Feuer, spielen auf dem Rasen in paradiesischer Freiheit… . Zwischen Stangengerüsten hin führt der Weg zu den Ausstellungen landwirtschaftlicher Maschinen und nun beginnen die Budenreihen. Das übliche Jahrmarkts… größeren Stils. Und doch ein anderes. Die praktischen, den Bedürfnissen der Landleute entgegenkommenden Waren, geben den Ausschlag.  Aus allen Gegenden des Sachsenlandes und aus dem benachbarten Preußen sind die Verkäufer da… . Ohrenbetäubender Lärm schon am frühen Morgen. Der Betrieb des Vergnügungsteiles ist in vollem Schwunge. Schank-und Speisezelte sind überfüllt. Der Bauer lässt seinen Magen nicht knurren. Wir auch nicht. Erst 10.00 Uhr vormittags. Aber in dem von altersher die Hauptattraktion des Platzes bildenden großen hochgedachten Wein- und Tanzzelt ist kaum ein Stuhl zu kriegen… .“

Zigeunerwagen auf dem Lorenzmarkt

Nun ein Sprung in das vergangene Jahrhundert

In der DDR war der Lorenzmarkt äußerst beliebt. Die Menschen strömten von überall her nach Lorenzkirch, ob mit dem Fahrrad, dem Auto oder dem Motorrad. Die Vorgärten waren mit Fahrrädern vollgestellt. Ein hübscher, kleiner Hinzuverdienst für die Dorfbewohner. Diese identifizierten sich mit dem Lorenzmarkt, denn sie hatten dessen gesamte Organisation übernommen. Ein Grund für dessen Beliebtheit: Hier gab es außerdem Waren, die man sonst vergeblich suchte. Weit und breit war  ein Markt dieser Art nicht zu finden. Bis zu 50 000 Menschen besuchten ihn.

Parkplatz des Lorenzmarktes 1972

Selbst ein Pferdemarkt wurde damals noch abgehalten.

Heute noch wird er gern besucht, doch die Anziehungskraft früherer Jahre besitzt der Lorenzmarkt nicht mehr. Dennoch ist er sehr empfehlenswert.

Am Freitag, um 17.00 Uhr, wird der Markt mit einem Marktgottesdienst eröffnet. Sehr beliebt ist die „Erste sächsische Kaffeestube“ im Garten des Pfarrhauses im Schatten alter Bäume. Sie wird sehr gern besucht. Das sind alte Traditionen, die bis heute erhalten geblieben sind.

Die Krönung  des ersten Tages bildet das wirklich schöne Feuerwerk am Freitagabend. 

Es gibt Bemühungen, den Lorenzmarkt wieder attraktiver werden zu lassen. Seit wenigen Jahren wird er durch eine Oldtimer-Parade auf der Alten Salzstraße bereichert. Anschließend werden die Oldtimer auf der Festwiese ausgestellt und es darf gefachsimpelt werden.

Also nichts wie hin! 

Der Lorenzmarkt und seine Attraktionen werden sicher vom 02.08. bis 05.08. 2019  wieder Jung und Alt anziehen.

Tornado über Lorenzkirch

Tornado über Lorenzkirch

2005 hat sich ein Tornado über Lorenzkirch gebildet.

Links unten sieht man ein Stück vom Damm hinter dem Dorf. Hier wurde diese Zufallsaufnahme gemacht. Ein Tornado? Vielleicht auch eine große Windhose.
Lorenzkirch

Lorenzkirch

Lorenzkirch

Lorenzkirch?! Nie gehört! Wo soll das liegen, fragt man sich.

Ein kleines Dorf, an der Elbe gelegen mit nur etwa 120 Einwohnern, gehört seit 2012 zu schönsten Dörfern Sachsens“? Kaum vorstellbar!?

Wer Lorenzkirch besucht, spürt , sobald er auf die Alte Salzstraße einbiegt, dass  dieser Ort etwas ganz Besonderes an sich hat. Man schaut über die Elbwiesen hinüber nach Strehla auf die Stadtsilhouette, die Kirche und das Schloss, welche über der Stadt thronen. Alles strahlt Schönheit, Ruhe und Frieden aus. Läuten dann noch die Kirchenglocken der Sankt Laurentius Kirche, ist die Idylle vollkommen

So etwa hat es Otto Eduard Schmidt in einem seiner mehrbändigen Werke geschrieben.

Zitat aus „ Kursächsische Streifzüge“ von Otto Eduard Schmidt

Das interessanteste der Elbdörfer ist meiner Meinung nach Lorenzkirch, am rechten Elbufer gegenüber der hochragenden Stadt und Burg von Strehla…

In praller Mittagsglut brachte mich der Fährmann von Strehla hinüber in die grüne Elbaue, in deren Mitte Lorenzkirch liegt. 

Das ganze lang gestreckte Dorf hat die Gestalt eines Schiffes, der Kirchturm ist der Mastbaum dazu, die Wanten bilden die mit zuckerhutförmigen Eisbrechern ausgerüstete, dem Strome zugekehrte Ummauerung und der das Dorf umfassende beraste Damm. Die hinter der Schutzmauer liegenden Häuser des Dorfes sind zum Teil recht ansehnlich durch hochgestaltete Giebel und Dächer und durch den Blumenschmuck der Gärten.  

Namentlich der mit einem Mansardendach gekrönte rechteckige Steinbau, der die Buden für den Lorenzkircher Markt enthält, und das ehemalige Küchengut des Mühlberger Klosters mit seiner breiten Einfahrt fallen dem Wanderer auf. Das anmutigste Haus aber von außen ist das, worauf ich zustrebe, das Pfarrhaus. …“

Otto Eduard Schmidt

Spätestens jetzt könnte man ein klein wenig neugierig werden und eventuell etwas mehr über dieses Dorf erfahren wollen. Dazu dienen Geschichtstafeln, die von der Interessengemeinschaft Lorenzkirch erarbeitet und am Rastplatz für Radler sowie am Fährweg aufgestellt wurden.

Ja, es ist schon ein bemerkenswertes, kleines Dörfchen.  Urkundlich erwähnt wurde es im Jahre 1274. Die Originalurkunde befindet sich in den Kirchenunterlagen